Wer junge Menschen ernst nimmt, muss jetzt handeln – nicht erst morgen!

Erstellt von Martin Löwe | | Information

Bayerischer Elternverband fordert von Politik und Gesellschaft konkrete Zukunftsperspektiven, eine grundlegende Bildungsreform und echte demokratische Mitbestimmung für junge Menschen

 

Bayern / München – Zehntausende junge Menschen sind vergangenen Samstag bundesweit auf die Straße gegangen, um auf ihre Sorgen und Zukunftsängste aufmerksam zu machen. Diese Proteste müssen ein Weckruf sein. Nicht Gewalt und Ausschreitungen, die entschieden abzulehnen sind, dürfen die Debatte bestimmen, sondern die Fragen, die dahinterstehen: Welche Zukunft bieten wir der jungen Generation? Welche Chancen eröffnen wir ihr? Und wie ernst nehmen wir ihre Stimme?

„Wir dürfen nicht länger über junge Menschen reden, ohne mit ihnen zu sprechen. Wer ihre Proteste wahrnimmt, muss auch ihre Sorgen ernst nehmen und Konsequenzen daraus ziehen“, fordert Martin Löwe, Landesvorsitzender des Bayerischen Elternverbands (BEV). „Junge Menschen brauchen keine Vertröstungen und Sonntagsreden, sondern verlässliche Perspektiven und die Erfahrung, dass sie ihre Zukunft tatsächlich mitgestalten können.“

Bildungspolitik darf sich nicht länger mit Ankündigungen begnügen

Die Bildungskrise ist längst bekannt. Marode Schulgebäude, fehlende Ressourcen, ungleiche Bildungschancen und zunehmende psychische Belastungen prägen den Alltag vieler Kinder und Jugendlicher. Die jüngsten PISA-Ergebnisse belegen erneut erhebliche Defizite: Rund ein Drittel der 15-Jährigen erreicht nicht einmal grundlegende Kompetenzen im Lesen und in Mathematik. In Bayern ist zudem der Anteil der Schulabgänger ohne ersten Schulabschluss 2024 auf 8,2 Prozent gestiegen[1].

„Wir können es uns nicht leisten, eine ganze Generation mit unzureichenden Bildungschancen zurückzulassen. Es reicht nicht, Probleme regelmäßig zu analysieren und neue Programme aufzulegen. Wir brauchen endlich Veränderungen, die im Klassenzimmer ankommen“, betont Löwe.

Der BEV fordert deshalb eine grundlegende Überprüfung überholter Schulstrukturen, mehr Zeit für die individuelle Förderung und persönliche Zuwendung sowie bessere Rahmenbedingungen für Lehrende und Lernende. Dazu gehören auch gesunde Lernbedingungen: kindgerechte Lernumgebungen, zeitgemäße Lernziele, konkrete Leistungsdefinitionen und mehr Zeit für eine gesunde psychische Entwicklung müssen ebenso selbstverständlich werden wie verbindlicher Hitzeschutz und moderne Schulgebäude. Bildung darf weder vom Geldbeutel der Eltern noch von der Postleitzahl oder den baulichen Bedingungen einer Schule abhängen.

Wer bei Kindern spart, zahlt später einen hohen Preis

Kinderarmut und mangelnde Teilhabe sind nicht nur individuelle Schicksale, sondern eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderung. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag von UNICEF verdeutlicht die langfristigen Folgen fehlender Entwicklungs- und Teilhabechancen[2]. Wer heute bei Kindern und Familien spart, riskiert morgen höhere gesellschaftliche Folgekosten.

Politik muss deshalb Familien stärken, Kinderarmut wirksam bekämpfen und Bildungs- und Teilhabechancen sichern, statt notwendige Unterstützung infrage zu stellen.

Junge Menschen müssen Demokratie selbst gestalten können

Demokratie lernt man nicht allein aus Schulbüchern. Junge Menschen müssen erleben, dass ihre Ideen zählen, ihre Beteiligung erwünscht ist und ihre Vorschläge tatsächlich etwas verändern können. Schulen bieten dafür wichtige Erfahrungsräume.

Wie das gelingen kann, zeigt die vom BEV unterstützte Initiative „The FutureLab“[3]: Schülerinnen und Schüler setzen sich eigenständig mit realen gesellschaftlichen Herausforderungen auseinander und entwickeln konkrete Lösungen, beispielsweise eigene Hitzeaktionspläne für ihre Schulen. Solche Projekte dürfen keine Einzelinitiativen bleiben. Sie brauchen Unterstützung, Freiräume und die Bereitschaft der Verantwortlichen, die Ergebnisse ernst zu nehmen und umzusetzen.

Unser Appell: Zukunft gemeinsam gestalten!

„Die junge Generation ist nicht nur die Zukunft unserer Gesellschaft. Sie ist Teil unserer Gesellschaft – heute. Wir Erwachsene müssen bereit sein, Gewohntes zu hinterfragen, Prioritäten neu zu setzen und Entscheidungen gemeinsam mit jungen Menschen zu treffen. Deshalb müssen wir jetzt handeln, statt weiter nur Versprechungen zu machen: Investieren wir in gute Bildung, stärken wir Familien und geben wir jungen Menschen echte Chancen und Mitspracherechte. Nehmen wir ihre Sorgen ernst, beziehen wir sie in Entscheidungen ein und gestalten wir gemeinsam ihre Zukunft. Eine gute Zukunft entsteht nicht durch Versprechen, sondern durch entschlossenes gemeinsames Handeln“, appelliert Löwe.

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[1]https://statsray.com/de/statistik/schulabgaenger-ohne-abschluss-anteil/bayern
[2]https://www.iwkoeln.de/studien/wido-geis-thoene-axel-pluennecke-oekonomische-effekte-der-deprivation-von-kindern-und-jugendlichen.html
[3]https://www.thefuturelab.school/schule-im-futurelab/

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„Die Schulen müssen den Kindern passen, nicht die Kinder den Schulen“ – Unter diesem Motto setzt sich der Bayerische Elternverband (BEV) seit 1968 für eine kindgerechte, chancengerechte und zukunftsfähige Bildung in Bayern ein. Ziel ist die optimale Förderung jedes einzelnen Kindes - im Kindergarten, in der Schule und in der Familie.

Im Bereich „Nachhaltiges Lernen“ beschäftigt sich der BEV unter anderem mit Erkenntnissen aus Neurowissenschaften und Kognitionspsychologie und deren Übertragung in die schulische Praxis. Mit FutureLab- und Draußenschul-Konzepten werden Formen des aktiven, phänomenbasierten und gehirngerechten Lernens praktisch erprobt.

Als Interessenvertretung der rund 3 Millionen bayerischen Eltern nimmt der BEV Einfluss auf die Schul- und Bildungspolitik in Bayern und unterstützt Eltern vor Ort, ihre Mitwirkung optimal gestalten zu können.

Der BEV steht allen Eltern in Bayern offen. Er ist gemeinnützig und an keine Konfession, politische Partei oder Schulart gebunden. Mehr Informationen finden Sie unter https://www.bev.de/ueber-uns

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Martin Löwe
Landesvorsitzender
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Tel.: +49 172 8621281